Von Boston an das GZG

„Can anyone tell me something about climate change?“ In den letzten drei Wochen wurde in den Klassenräumen des Graf-Zeppelin-Gymnasiums in Friedrichshafen auf Englisch unterrichtet: Zwei Studenten des Massachussetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge bei Boston besuchten im Rahmen eines Austauschprogramms das GZG und unterrichteten dort die Schüler im naturwissenschaftlichen Bereich.

Sarah Curtis studiert seit drei Jahren am MIT und sprach mit den Schülern der zehnten Klassen über den Klimawandel und die globale Erwärmung. Zuerst lernten die Schüler, wie unsere Atmosphäre aufgebaut ist und welche Folgen die Luftverschmutzung haben kann, dann wurden sie in einem Planspiel selbst zu Politikern und Wissenschaftlern, die mithilfe einer Computersimulation versuchten, Maßnahmen zur Verlangsamung des Klimawandels einzuleiten. Die 21-jährige Studentin aus Miami gab außerdem Kurse in den Klassen der Oberstufe, in denen es um die Zusammenarbeit in einer Gruppe ging: „Gruppenarbeit und Einfallsreichtum sind die wichtigsten Dinge, die man lernen kann“, sagte Sarah Curtis über ihr Projekt. In Kleingruppen sollten die Schüler eine Brücke aus Materialien wie Strohhalmen, Papier und Klebeband bauen und im Anschluss daran ihre Arbeit im Team analysieren. Es wurde besprochen, wie Gruppenarbeit strukturieren und Probleme untereinander lösen kann. 
Parallel baute und programmierte ihr Kommilitone Mitchell Guillome, der am MIT Maschinenbau und Robotik studiert, mit einer achten Klasse Roboter: Aus einem Set an Bauteilen sollten die Schüler in Zweiergruppen eine Maschine bauen, die einen kleinen Parcours abfahren und dabei Tischtennisbälle zu verschiedenen Gefäßen transportieren soll. Am Computer konnten die Roboter dann durch Farbsensoren zum Beispiel genau für ihren Auftrag programmiert werden. Die Aufgabe verlangte den Schülern einiges ab, viele brauchten mehrere Versuche, um den Parcours mit ihrem Roboter richtig zu meistern, denn der funktionierte oft nicht wie gewünscht, fuhr in die falsche Richtung oder ließ die Bälle fallen. „Die Sprachbarriere ist nur ein kleines Problem, wir können uns ganz gut verständigen“, meinte der 20-jährige Mitchell Guillome, der mit den Schülern auch komplexe Fachbegriffe der Robotik auf Englisch bespricht. Die Aufgabe bot den Schülern einen ersten realen Einblick in den Alltag eines Ingenieurs und alle waren mit viel Eifer bei der Sache. Neben den Programmen gab es für die Schüler viele Möglichkeiten, mit den beiden Studenten über den Alltag und das Leben als Student in Amerika zu sprechen: Die Finanzierung des Studiums, der Alltag am Campus und die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Schulsystem wurden häufig angesprochen, gleichzeitig wurde mit vermeintlichen Klischees und Stereotypen aufgeräumt. 

Die beiden Studenten sind zum ersten Mal in Deutschland und hatten neben der Schule ein umfangreiches Rahmenprogramm: Sie besuchten ein Volleyballspiel des VfB Friedrichshafen, gingen in Vorarlberg Skifahren, fuhren nach München ins Deutsche Museum und besichtigten die Zeppelin-Werft. Dieser Besuch wurde durch „Global Teaching Labs“ (GTL), ein Programm des MIT, möglich: Jedes Jahr werden bis zu 750 Studenten in viele verschiedene Länder geschickt, um dort an den Schulen zu unterrichten. Das Graf-Zeppelin-Gymnasium hatte sich für dieses Programm in den Bereichen Chemie, Biologie, Physik und Informatik beworben. Die Kosten für den Flug wurden unter anderem durch den Förderverein des GZG abgedeckt. Die beiden Organisatoren Sören Leukefeld und Christian Heide hoffen, auch in den kommenden Jahren wieder ein solches Programm am GZG durchführen zu können und freuen sich über die lehrreichen Wochen - für Schüler und Studenten. (Johanna Muro/ K2)

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